Bomben auf Kassel – vor 68 Jahren

Am 22. Oktober jährt sich der Angriff englischer Bomberverbände auf Kassel. Beim Angriff auf Kassel fanden überwiegend Zivilisten den Tod. Dem englischen Luftangriff wird häufig zum Vorwurf gemacht, die Kasseler Altstadt zerstört zu haben und damit vor allem die arbeitende Bevölkerung getroffen zu haben. Die Rüstungsbetriebe seien hingegen kaum getroffen worden. Dahinter steckt die Haltung, die deutsche Bevölkerung zum Opfer des Krieges zu definieren, oder – und dies besonders in linken Kreisen, die Bomber hätten die Arbeiter getroffen, obwohl doch die Arbeiter besonders engagiert im Widerstand gegen die Nazis tätig gewesen seien.

Ignoranz in vieler Hinsicht

Ignoriert wird dabei, dass die Nazis auch unter den Arbeitern einen großen Anhang hatten und dass auch die Arbeiter als Soldaten in Hitlers Truppen dafür sorgten, dass bis in die entlegenen Gebiete Europas Jagd auf Juden und auf als „Zigeuner“ bezeichnete Menschen gemacht werden konnte, dass im Osten ganze Landstriche entvölkert wurden, um zukünftigen deutschen Siedlern Platz zu machen und dass ganz Europa ausgeplündert wurde um die deutsche Volksgemeinschaft bei Laune zu halten. Der Widerstand, den es in den ersten Jahren des Hitlerregimes zweifellos vor allem in der organisierten Arbeiterschaft gab, marginalisierte sich durch effektive Verfolgung und  Terror seitens der Gestapo, der aber auch durch ein erhebliches Maß an Denunziation zugearbeitet wurde, sehr schnell aber auch dadurch, dass den Arbeitern klar wurde, dass auch ihnen ein Platz in der Volksgemeinschaft zugedacht war und sie durchaus an der Beute des kriegerischen Raubzuges teilhaben sollten und konnten.

Die Arbeiter, sofern sie noch in den Betrieben arbeiteten und nicht in der Armee kämpften, waren aber – und das sollte gerade den an Marx geschulten Linken klar sein – wichtigster Bestandteil der Produktionsmaschinerie, die bis in den April 1945 Panzer, Flugzeugmotoren usw. produzierte, die gegen die Alliierten eingesetzt wurden. Im Gegensatz zu 1918 fiel es den deutschen Arbeitern aber nicht ein zu streiken. Dass sie dies nicht taten lag auch daran, dass es ihnen zu Lasten des ausgeplünderten Europas vergleichsweise gut ging, bzw. dass der Nazistaat ebenfalls auf Kosten der ausgeplünderten besetzten europäischen Staaten ein ausgeprägtes sozialstaatliches Gepräge aufbaute. Das Zerstören der Heimstätten der deutschen Arbeiter und gerade die nächtlichen Angriffe waren also wichtige Moment, die Kriegsproduktion zu stören.

Der Luftkrieg als wichtiges strategisches Element

Der Krieg der Alliierten gegen Deutschland war notwendig und richtig. Die Bombenangriffe waren bis 1944 ein wesentlicher Beitrag der Westalliierten an den Kriegsanstrengungen und somit wichtiger Bestandteil der Bemühungen, Deutschland mit allen zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln nieder zu werfen. Die Bombenangriffe sollten die deutsche Rüstungs- und Energieproduktion, sowie die Verkehrsverbindungen zerstören. Die Angriffe trugen dazu bei, dass große Teile der deutschen Luftwaffe in Deutschland gebunden und nach und nach vernichtet wurden. Dies und der umfangreiche Einsatz der deutschen Luftabwehr mit Kanonen (Flak) samt zugehöriger Granatenproduktion im Reich entlastete die Rote Armee an ihrer Front. Die Rüstungsproduktion wurde nicht verhindert, aber empfindlich gestört. In Kassel lief die Produktion der ebenfalls stark getroffenen Industrie z. T. erst 1944 wieder an.

Die Soldaten der Alliierten hielten Ihre Köpfe hin

Junge Männer vor ihrem gefährlichen Einsatz gegen Nazi-Deutschland

Der verbrecherische Charakter des Naziregimes war von Anfang an offensichtlich. Da wirksame Maßnahmen seitens der deutschen Bevölkerung gegen die Naziherrschaft ausblieben, mussten dies die alliierten Soldaten tun. Sie waren junge Männer und Frauen, zu deren Idealen es nicht gehörte, andere zu Untermenschen zu degradieren, oder ganze Völker versklaven zu wollen oder sie zu vernichten. Sie wurden zu den Waffen gerufen um ein unvorstellbar bestialisches Besatzungsregime in Europa nieder zu kämpfen. Und sie zahlten dafür einen hohen Preis. Mehrere 10.000 Flieger kamen bei den Luftangriffen gegen Deutschland ums Leben. Auch beim Angriff auf Kassel wurden mehrere dutzend Bomber abgeschossen. In ihnen saßen je 7-8 Mann Besatzung.

Der Bombenkrieg der Alliierten war kein Vernichtungskrieg

Es verbietet sich die Gleichsetzung mit dem Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht. Diese und die ihr für diese Aufgaben zugeordneten deutschen Sondertruppen (SS, SD u. ä.) hatten die Aufgabe Menschen gezielt auszurotten. Die Menschenjagden im Osten sollten „Slaven“ dezimieren, Juden und als „Zigeuner“ bezeichnete Menschen ausrotten. Zu diesem Ziel gehörte auch die Strategie osteuropäische Städte mit samt ihren Einwohnern zu vernichten. Alleine in Leningrad (heute St. Petersburg) kamen ca. 1.000.000 Menschen durch deutsche Angriffe und durch die vor 70 Jahren begonnene 900 Tage andauernde Belagerung ums Leben. Auch wenn Leningrad kapituliert hätte, wäre den Menschen dieser Stadt dieses grausame Schicksal nicht erspart geblieben. Die Leningrader Bürger sollten – wie die anderer osteuropäischer Großstädte auch – nach dem Willen der deutschen Kriegsplanung umkommen.

In Deutschland kamen insgesamt zwischen 350.000 und 500.000 Menschen durch Luftangriffe der Alliierten ums Leben. Die Mehrzahl dieser Menschen – die Kasseler allemal – hätten überlebt, hätten deutsche Truppen ihre Waffen z.B. nach der Niederlage in Stalingrad 1943 gestreckt.

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