Ostermarsch 2013 – Nichts Neues aus der Hauptstadt der Bewegung

Der Kasseler Aktivist der Marschierer für die Gute Sache, Rolf Wekeck, begrüßt die Teilnehmenden mit dem Dank, dass sie „Widerstand gegen die Kälte geleistet haben.“ Die „Marschierer für die Gute Sache“ (U. Jakob) wähnen sich gerne als Widerstandsbewegung. Sie sind gegen Rüstung, gegen Krieg, für Gerechtigkeit und gegen die Kampfdrohnen, mit denen die Bundeswehr ausgerüstet werden soll. Gegen das zuletzt genannte Vorhaben will man Unterschriften sammeln, um an die Erfolge der 80iger Jahren anzuknüpfen. Die Hauptrednerin Ulrike Jakob, Betriebsratsmitglied bei VW und IG-Metallerin betont, dass sie nicht für die IG-Metall und nicht für den Betriebsrat spricht, aber dass sie in der Friedensbewegung seit den 70iger Jahren verwurzelt sei. Die versammelten Widerstandskämpfer gegen die Kälte begrüßt sie mit einem „Auf Euch ist Verlass, wenn es um Frieden und gegen Rüstung geht!“

Volksfront für den deutschen Frieden "Der Marsch für die Gute Sache" 2013

„Der Marsch für die Gute Sache“ 2013: Für Stolpersteine und ein Existenzrecht des palästinensischen Volkes.

Gegen die Atombombendrohungen Nord-Koreas?
Gegen die Atomrüstung des Irans? – Woher dann!

Man war in den Zeiten, in denen dem Deutschen der Atomtod durch die Bombe drohte, gegen die Atomrüstung. Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei. Der Bezug der Hauptrednerin zum Iran, der den Besitz von Atomwaffen anstrebt, bzw. zu Nordkorea, das damit droht, sie einzusetzen, besteht darin, dass sie eine „Provokation“ durch Übungsflüge amerikanischer Bomber in Südkorea anklagt und für die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran wirbt.

Kein Sterbenswörtchen zu den verrückten Auslassungen des nordkoreanischen Führers, Atomwaffen gegen Südkorea, Japan und gegen die USA einzusetzen, kein Wort zu den Bestrebungen des Irans, Israel von der Landkarte zu entfernen und Atomwaffen zu produzieren, um diese für dieses Vorhaben mutmaßlich zu nutzen.

Unter wehenden Palästinenserfahnen handelt die Rednerin alles Mögliche ab. Das Repertoire reicht von A wie Afghanistan bis U wie Ursachen für Kriege. Es ist das übliche Konglomerat deutscher Ideologie aus durchaus richtigen Feststellungen (den Stellenwert deutscher Rüstungsexporte) bis hin zu absurden Schlussfolgerungen (die Ursache islamistischer Umtriebe in Mali sei die Klimakatastrophe) auf die aber hier nicht weiter eingegangen werden soll.

Gegen Waffen für Israel und für die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran

Auch wenn im Aufruf des diesjährigen Marsches das Wort Israel nicht vorkommt, wichtig ist es der Hauptrednerin zu betonen, dass es die Aufgabe der Bundesrepublik sei, Israel daran zu hindern, ggf. durch einen Präventivschlag die Fertigstellung der iranischen Atombombe zu unterbinden oder zumindest hinauszuzögern. Auch die Drohung auszusprechen, einen Präventivschlag gegen die Fertigstellung der Atombombe auszuführen, möchte die Rednerin der israelischen Regierung gerne verbieten. Jakob wendet sich aber auch gegen die Sanktionen, die gegen den Iran ausgesprochen wurden, sie würden den Konflikt nur verschärfen und die iranische Bevölkerung treffen. Gleichzeitig spricht sie sich explizit dagegen aus, Israel mit Waffen zu beliefern.

Für ein Existenzrecht des „palästinensischen Volkes“

Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran, ein Waffenembargo gegen Israel, der israelischen Regierung das Maul zu verbieten, die deutsche Bewegung weiß, wie man dem Iran bei der „Lösung des Nah-Ost-Konflikts“ hilfreich zur Seite stehen kann. Jacobs Forderung, dass die deutsche Regierung eine UN-bewehrte Initiative für die Existenzberechtigung des „palästinensischen Volkes“ auf den Weg bringen möge, als gäbe es irgendjemanden, der der arabischen Bevölkerung im Nahen Osten das Lebensrecht verweigern wollte, rundet diese Positionierung ab.

Stolpersteine und der Frieden: Ein sehr deutsches Bündnis

Die deutschen Marschierer für die Gute Sache geben sich auch geschichtsbewusst. Verrät man mit Verve Israel, indem man die Bundesregierung auffordert Israel zur Befriedigung deutscher Friedenssehnsucht seinen Feinden auszuliefern, so wird man nicht müde darin, an die deutsche Geschichte zu erinnern. In Kassel gibt es, wie in anderen Städten auch, seit 2012 eine lokale Initiative Stolperstein in Kassel e.V.. Man will den Opfern des Naziregimes einen im Boden eingelassenen Stein widmen, auf dem die persönlichen Daten des jeweiligen Opfers nationalsozialistischer Herrschaft notiert sind. Eine löbliche Initiative, die aber auch auf berechtigte Kritik stößt.

Liest man, wer die lokalen Protagonisten dieser Initiative sind, so könnte man meinen, einen Aufruf der Kasseler Friedensbewegung vor sich zu haben, man findet sie auf der Unterzeichnerliste zum Ostermarsch 2013 wieder. Folgerichtig wird dieser Kasseler Initiative auch breiter Raum auf den Marsch für die Gute Sache gegeben. Verdruckst und kaum zu verstehen nuschelt der Sozialdemokrat Norbert Sprafke, der eine Vorsitzende des Vereins, am Mahnmal „Die Rampe“ irgendetwas von einem Bezug der Gegenwart zur Vergangenheit, der in den Beziehungen und im Verhalten der deutschen Behörden zum NS damals und heute zum Ausdruck käme, in seinen Bart.

Jochen Boczkowski, der andere Vorsitzende der Kasseler Initiative, zählt am Rathaus die Opfer auf, an die die Kasseler mit den Stolpersteinen erinnern wollen. Den Beweggrund seines Engagements bringt er in der Parole „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ auf den Punkt. Diese Parole verweist wie keine andere auf das merkwürdige Verhältnis der deutschen Wohlgesinnten zum Nationalsozialismus und verdeutlich die Kompatibilität des deutschen Geschichtsbewusstseins zur deutschen Friedenssehnsucht.

Der Schulterschluss der deutschen Bewegung gegen Israel mit der Initiative zur Erinnerung an die Toten, lässt nur den Schluss zu: Erinnerung an die toten, Verrat an den lebenden Juden! (In Gedenken und Verrat – Deutschland einig Vaterland)

J.D.

3 Gedanken zu “Ostermarsch 2013 – Nichts Neues aus der Hauptstadt der Bewegung

  1. Es gibt viele Meinungen, verfestigt im sprichwörtlichen Altersstarrsinn, derer die nicht wahrnehmen wollen, dass Frieden durch Verständigung der Bevölkerungen mit viel Geduld Einander zuzuhören möglich werden kann.

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