Vor siebzig Jahren: Aufstand des Warschauer Ghettos

Vor siebzig Jahren waren von den einst hunderttausenden von den Deutschen ins Warschauer Ghetto verschleppten Juden noch ca. 40.000 übrig geblieben. Am 19. April 1943 erhoben sich die dort noch verbliebenen Juden. Unter der Führung der beiden Organisationen ZOB (Jüdische Kampforganisation) und ZZW (Jüdischer Militärverband) schlugen bewaffnete Gruppen der eingepferchten Juden gegen die in das Ghetto vordringenden SS-Einheiten und Polizei-Einheiten los. Obwohl nur sehr unzureichend bewaffnet und fast ohne Hilfe von außen, gelang es den ca. 1.000 – 1.500 Ghettokämpfern mehrere Wochen lang gegen die, an Mannschaftsstärke und Bewaffnung, weit überlegenen deutschen Einheiten, die von Panzern und Sturzkampfbombern unterstützt wurden, Widerstand zu leisten.

Kämpferinnen und Kämpfer des Warschauer Ghettos werden vonn SS-Einheiten gefangen genommen. Kurz danach wurden sie erschossen oder in die Vernichtungslager deportiert

Kämpferinnen und Kämpfer des Warschauer Ghettos ergeben sich den SS-Einheiten. Kurz danach wurden sie erschossen oder in die Vernichtungslager deportiert

Emanuel Ringelblum, der das Untergrundarchiv des Ghettos aufbaute, beschrieb die Intention der Kämpfenden: „Unser Schicksal steht im voraus fest – so wurde gesagt. Der Jude trägt das Todesurteil in der Tasche, das vom größten Mörder aller Zeiten gefällt wurde. Deswegen müssen wir nicht so sehr an die Rettung unseres Lebens denken, die sehr problematisch scheint, als an einen ehrenhaften Tod, den Tod mit der Waffe in der Hand.“

Eine der wenigen, die den Aufständischen zur Hilfe kamen, war die junge Niuta Tajtelbaum. Sie war Kommandantin einer kleinen Einheit der kommunistischen Gwardia Ludowa, die schon vor dem Aufstand des Ghettos spektakuläre und erfolgreiche Einsätze gegen die deutschen Besatzer durchführte. Am 19. April 1943 gelang es ihr mit ihren Kämpferinnen eine deutsche Maschinengewehreinheit zu vernichten, die von außerhalb der Ghettomauern die Ghettokämpfer beschoss. Im Juli 1943 gelang es der Gestapo sie zu verhaften, sie starb nach schweren Folterungen noch im gleichen Monat.

In Erinnerung an die mutige Kämpferin Niuta Tajtelbaum

Niuta Tajtelbaum

Die bis zum Aufstand noch im Ghetto verbliebenen Juden wurden während oder kurz nach dem Ende der Kämpfe  von den deutschen Einheiten massakriert, etwa 7.000 in die Vernichtungslager gebracht um dort ermordet zu werden. Eine kleine Anzahl von Kämpfern und Ghettobewohnern überlebte in Verstecken oder konnte zu Partisaneneinheiten fliehen. Einige von ihnen wanderten in die USA aus, andere gründeten in Israel den Kibbuz Lochamej haGeta’ot. 1952 entstand dort das erste Holocaustmuseum, das Haus der Ghettokämpfer.

Ein kurzer Überblick über den Aufstand im Warschauer Ghetto findet sich hier. Auch ist der Wikipedia-Artikel als Einstiegslektüre mit weiterem Literaturüberblick zu empfehlen.

Sonst:

Reuben Ainsztein, Jüdischer Widerstand im deutschbesetzten Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges.
Reuben Ainsztein, Revolte gegen die Vernichtung. Der Aufstand im Warschauer Ghetto.
Marek Edelman: Das Ghetto kämpft.
Arno Lustiger,Zum Kampf auf Leben und Tod.

J.D.

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