Vor 70 Jahren: Nach 900 Tagen beendeten Rotarmisten die deutsche Hungerblockade Leningrads

Vor siebzig Jahren, am 27. Januar 1944, wurde die Belagerung Leningrads nach vielen für die Rote Armee äußerst verlustreichen Entsatzversuchen endgültig von der Roten Armee gesprengt. Während der Belagerung dieser Stadt kamen ca. 1. Million Leningrader Bewohner ums Leben. Ihr Sterben war Ziel und Plan der deutschen Regierung, umgesetzt durch die deutschen Soldaten unter General Leeb* und Küchler unterstützt durch die Heimatfront in Deutschland, die Soldaten und Waffen lieferte.

Das Mädchen Tanja Savicheva war eines der Opfer. Bis kurz vor ihrem Tod schrieb sie Tagebuch. Auf der letzten Seite führte sie aus: „Alle sind gestorben, nur Tanja ist geblieben.“

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Tanja Savicheva und Zettel aus ihrem Tagebuch

Der Junge Jura Rjabinkin führte in seinem letzten Eintrag, am 6. Januar 1942 aus: „Ich kann fast überhaupt nicht mehr gehen oder arbeiten. Bin völlig entkräftet. Mutter schleppt sich auch gerade noch umher. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie sie das schafft. Sie schlägt mich jetzt oft, schimpft, schreit, hat nervöse Anfälle und kann meinen nichtsnutzigen Anblick nicht ertragen – den eines vor Kräftemangel schwachen, hungernden, erschöpftem Menschen, der sich kaum vom Fleck rühren kann, der stört und krank und kraftlos ‚tut‘. Aber ich simuliere doch meine Schwäche nicht. Nein! Das ist keine Heuchelei, meine Kräfte schwinden unablässig. Und die Zeit dehnt sich, dehnt sich und ist lang, lang! Oh Gott, was geht in mir vor? Und jetzt ich, ich, ich …“ Und dann kam der ersehnte Augenblick – der Tag der Evakuierung. Das wenige, was man für die Reise brauchte und mitnehmen konnte, war auf einem Schlitten verpackt. Auch Jura richtete sich im Bett auf, tastete nach seinem Stöckchen, versuchte aufzustehen, konnte es nicht und fiel aufs Bett zurück.  Aus: A. Adamowitsch u. D. Granin, Das Blockadebuch.

Jura Rjabinkin

Jura Rjabinkin

Anläßlich des Holocaustgedenktages sprach der russische Schriftsteller Daniil Granin im Bundestag.

* nach Leeb war bis 1992 eine Kaserne der Bundeswehr benannt.

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