Die Untoten und die Erinnerung – Ein Blickfang

Am Wochenende findet das Deutschlandtreffen der „Ostpreussen“ in Kassel statt. Die Initiative T.A.S.K. und das Kasseler Bündnis gegen Rechts rufen für den Sonntag um 9.00 Uhr zu einer Kundgebung an den Messehallen auf.

Zu diesem Anlaß eine schon etwas ältere* Invektive.

Immer wieder wird behauptet das Thema Vertreibung sei tabuisiert. Vertreibung der Deutschen wohlgemerkt. In der Schule war (und ist) Nationalsozialismus ein Thema. Zu diesem Thema gehört in Deutschland unausweichlich das Thema „Flucht und Vertreibung“. Zu erinnern ist an die Schulbücher und Geschichtsatlanten in denen die Karten im Stil „Vorher/Nachher“ eingezeichnet sind. Angeordnet wie die Bildchen zur Illustration der Versprechungen diverser Schlankmacher. Nur dass hier mit dem schlankeren Deutschland nicht etwas Positives assoziiert wird.

Schlesien in Kassel

Auch in Kassel allgegenwärtig: Deutschland das Opfer

Zu den Illustrationen gehören, schematisch dargestellt,  als Frau und Kind – gewollt oder nicht, Unschuld assoziierend – zu erkennende Figuren, die einen Kinderwagen schieben oder einen Handwagen hinter sich herziehen. Pfeile weisen aus den abgetrennten Gebieten in das Innere Deutschlands, beziffert wird das Ganze mit Zahlen, die in ihren Dimensionen die Vergleichbarkeit mit einer anderen diesen Zeitraum betreffenden Angelegenheit suggerieren. Eine Angelegenheit an die, so will es der Volksmund wissen, viel zu oft und laufend erinnert wird.

Ewig währt der Vertriebene?

Fährt man durch die Kasseler Sternbergstraße, prangt an einer Hauswand eine stilisierte Landkarte, mit Gebirgszügen, Zeichen für Industrie und Wasserläufen. Darunter ein Wappen und das Wort „Schlesien“. Das „bleibt unser“ steht da nicht, soll man sich wohl dazu denken. Zwei Häuserreihen weiter, von einer mittlerweile groß gewordenen Fichte fast verdeckt, eine ähnliche Illustration: Ostpreußen. Es ist zu vermuten, dass auf den anderen beiden Häuserreihen einmal Pommern und Sudetenland stand. Beim Renovieren dieser Gebäude hielt man diese Illustrationen wohl nicht mehr für Erhaltenswert. Verdrängt die Zeit den Revanchismus des sich ewig als Opfer wähnenden Deutschen? Man könnte es annehmen. Die von den Zwangsumsiedlungen betroffenen dürften fast alle das Rentenalter erreicht haben, die meisten von ihnen, die die Ereignisse noch in ihrer bewussten Phase erlebt haben, leben nicht mehr. Aber man irrt. Der Status des Vertriebenen scheint erblich oder Passion zu sein.

Ein hoch subventionierter Verein ohne Mitgliederkartei

Ein Verein, der von sich behauptet 15 Millionen Vertriebene zu repräsentieren über dessen Mitgliederzahl aber Unklarheit herrscht, wird von Personen geführt, die wie Erika Steinbach Kind eines deutschen Besatzungsoffiziers in Polen ist oder wie Bernd Posselt in der Bundesrepublik geboren wurde. Kein Verein wird so unkontrolliert mit öffentlichen Geldern subventioniert wie der Bund der Vertriebenen. Auch wenn der Einfluss des BDV mittlerweile zurückgegangen ist, genießt er in bedeutenden Kreisen der Politik nach wie vor eine erstaunliche Protektion.

Ein Verein, der in den Fünfzigern und Sechzigern Tummelplatz prominenter und semiprominenter Nazis war und dem bis heute trotz aller Abgrenzungsrhetorik Abgrenzungsprobleme gegen rechtsextremistische Kreise nachgesagt werden, der völkisches Gedankengut transportiert und Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie (z.T. über die Grenzen von 1937 hinaus) nach wie vor als unteilbar deutsch betitelt. Ein Verein der in impertinenter Weise den Begriff Versöhnung vor sich herträgt und implizit von den Opfern des deutschen Rassen-, Eroberungs- und Vernichtungswahn verlangt, auch von ihnen als Opfer anerkannt, entschädigt oder gar repatriiert zu werden.

Gedenktag, Straßen und Propaganda am Bau

Und zum Ausgleich an das, für viele in Deutschland anscheinend so schier Unerträgliche, nämlich Täter und Verantwortliche des größten Verbrechens an der Menschheit zu sein, wird systematisch versucht dem Erinnern an die Vertreibung einen staatsoffiziellen Status zuzuteilen. Dazu gehört die prominente und propagandistische Platzierung des Themas in halboffiziellen Medien wie ARD und ZDF oder im Spiegel. Mittlerweile wird über einen Gedenktag (5. August) und ein zentrales Vertriebenendenkmal diskutiert. So wie es in vielen Käffern und Städten die Sudetenstraßen, die Pommernstraßen usw., zahllose, revanchistisches Gedankengut transportierende Denkmäler überall in Deutschland und eben in Kassel Propaganda am Bau gibt, so soll dann der 5. August und das zentrale Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung neben dem 27. Januar und dem zentralen Holocaustmahnmal stehen. Deutschland ein Meister der Erinnerung!

J. D.

Wie war das noch mal?

* zuerst erschienen im Internet-Projekt „nordhessische.de
Ein weiterer Beitrag auf BgA-Kassel mit Literaturhinweisen.

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