Tränen lügen nicht – oder wo hängt die Wurst?

Wie berichtet, fand am 18.05.2014 eine u.a. von den Genossen der T.A.S.K organisierte Kundgebung gegen das Deutschlandtreffen der Ostpreußen statt.

Die Kasseler Lokalzeitung, die HNA, in Nordhessen das auflagenstärkste Blatt und damit hier faktisch das Pressemonopol ausübend, berichtete am 19.05.2014: „Die Tränen kullerten der 76-jährigen … über die Wangen.“ Entsprechend kommentierte die Berichterstatterin der Zeitung Katja Rudolph, es sei „armselig, Menschen, die unter dem Krieg gelitten haben, pauschal als rechtsradikal darzustellen.“ (Was im Übrigen reine Halluzination der Kommentatorin ist, weil das niemand tat.) Holger Kindler vom „Bündnis gegen Rechts“, das die Aktion der T.A.S.K mit initiierte und unterstützte, gab klein bei und stellte gegenüber der Presse fest, man wolle „nicht die Schicksale von Besuchern infrage stellen. Man wende sich … gegen die Position der Landsmannschaft. Dort gebe es personelle Verbindungen in die rechte Szene.“ Dazu passt der Gedankengang der HNA-Kommentatorin „Richtig ist, dass wir alle uns gegen rechtes Gedankengut wehren sollen.“ Nichts bringt die Armseligkeit der volksdeutschen Einheitsfront gegen Rechts besser auf den Punkt als dieser Satz.

Die Heimat ist da, wo die Wurst hängt

Die Heimat ist da, wo die Wurst hängt

Böse Nazis und die Gute Heimat

„Wir sollen die Nazis verherrlichen? Die waren doch der Auslöser für Flucht und Vertreibung“ wird ein Intelligenterer der „Vertriebenen“ zitiert. In Ostpreußen erzielten die Nazis überdurchschnittliche Stimmenergebnisse, damit könnte man sein Argument von „die waren es, nicht wir“ schnell entkräften. Die Zustimmung für Hitler war jedoch nicht nur in Ostpreußen groß, sondern erreichte 1941 deutschlandweit einen Höhepunkt. Hitler war einer der populärsten Politiker Deutschlands. Aber wenn es ein Ergebnis der deutschen Erinnerungsarbeit gibt, ist es das, 1933 – 1945 gab es Nazis. Doch Nazis sind immer die Anderen und an die Heimat zu denken kann doch nichts verwerfliches sein. Wir sind gegen Nazis weil die, wie es Onkel Knopp uns eingebläut hat, so böse waren und viele Volksgenossen schrecklich leiden mussten, so lässt sich das Geschwurbel abkürzen und gibt ziemlich genau das wieder, was den deutschen Erinnerungskult so problematisch und Aktionen, wenn sie die Überschneidungen zur rechtsextremen Szene, oder Nazis selbst problematisieren und beim „Nazis raus!“, „Bunt statt Braun!“ etc. stehen bleiben, so hilflos, so banal, so dumm macht.

An anderer Stelle hier schon mehrfach dargelegt, die deutsche Erinnerungsarbeit hat sich gewandelt. Die Verbrechen der Nazis werden nicht mehr bagatellisiert oder in Abrede gestellt. Nein! Die Arbeit von vielen Wissenschaftlern, die sich der NS-Zeit widmeten und widmen, die kulturindustriellen Produktionen des deutschen Fernsehens, die die fiesen Nazis akkurat in Uniform packen und als Widerlinge von Schauspielern für jeden nachvollziehbar als den Anderen in Szene setzen, sollen sich bezahlt machen. Aufrecht steht man da und sagt, seht her, wir stellen uns unserer Geschichte und lernen daraus, nehmen Verantwortung war und suchen Versöhnung. Das ist mittlerweile auch bei den „Vertriebenen“ angekommen, wenn auch hier die Abgrenzung noch nicht ganz so ordentlich funktioniert, wie es bei der Einheitsfront der Demokraten die Regel ist und man noch nicht begreifen will, was den Wutprofessor Arnulf  Baring so problematisch macht (aber das versteht ja so mancher Fernsehverantwortliche auch noch nicht), warum man deutsche Panzersoldaten verherrlichende Bücher lieber nicht auf den Büchertischen auslegen soll und ein Fahnenappell vielleicht doch nicht ganz en vogue ist – aber wozu hat man eine Jugendorganisation. Der Holocaust wird nicht mehr verleugnet, ja wie ein Besucher mir geifernd entgegenschleuderte, man begrüße es, dass Holocaustleugner bestraft würden – und da die UNO Vertreibungen und ethnische Säuberungen als Völkermord definiert habe, so müsse lediglich auch noch die Leugnung der „Vertreibung“ zum Straftatbestand erhoben werden. Der Einwand, dass wenn man die Umsiedlung der Deutschen auf eine Stufe mit dem Mord an den Juden stellt, dies wiederum eine Bagatellisierung des Holocaust ist, wäre hier zwar richtig, aber zum einen zwecklos zum anderen würde der Hinweis an der hier diskutierten Sache vorbeigehen.

Wie man es dreht und wendet, die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist Teil der Ideologieproduktion Deutschlands. Nicht mehr die Versuche Nazis zu rehabilitieren, eine Kriegsschulddebatte, die Leugnung des Holocaust und deutsche Kriegsverbrechen o.ä. sind das Problem. Die solches äußern sind abseitige Vertreter die im wissenschaftlichen Mainstream keiner mehr Ernst nimmt und deren tatsächlicher Einfluß in der Gesellschaft gen Null tendieren dürfte. Es ist der Erinnerungsdiskurs als solcher anzugreifen in dem der im Mainstream der Erinnerungsarbeit unbegriffene Gegenstand der Nationalsozialismus und die deutsche Volksgemeinschaft als das herausgestellt wird, was zu kritisieren wäre und als das bezeichnet wird, das bis heute freilich in verschiedenen Formen als deutsche, als postnazistische Ideologie fortwest.

Der Heimatbegriff genauso wie seine nach wie vor ungebrochene Popularität sollte dabei eine zentrale Rolle spielen. Die „Vertriebenen“ sind nun besonders leicht zu überführende Vertreter dieser Ideologie aber man findet sie eben nicht nur dort. Die Vorstellung von einer Harmonie der Ursprünglichkeit, von Wurzeln eines Volkes als integraler Bestandteil der Natur, vom Geist eines Volkes, den man in einer Landschaft, in den heimeligen Häusern, den kleinen Städtchen und den Bauernhöfen eingeschrieben findet, von einer organische Natur einer Gemeinschaft etc., das alles sind Bestandteile völkischer Ideologie. Diese Ideologie ist Ausdruck der Ablehnung der Moderne, des Abstrakten, des Wurzellosen, des sich unablässig Wandelnden. Der Antisemitismus ist eine logische Konsequenz. Doch diese zentralen Bestandteile völkischer Ideologie finden sich nicht nur bei Nazis, Neu- und Altrechten und eben nicht nur bei den „Vertriebenen“, sondern sie sind fester Bestandteil einer deutschen Ideologie, die bis weit in die Kreise der Linken reicht, wenn sie nicht gerade dort immer wieder fröhliche Urständ feiert.

Die Antwort der Genossen von T.A.S.K, „Nie wieder Deutschland!“ ist vielleicht etwas abgelutscht und grobschlächtig, aber sie ist für das politische Handgemenge ausreichend und ist auch nicht umsonst im Bündnis gegen Rechts nicht konsensfähig, weil man damit natürlich gerade jenen vor den Kopf stößt, die zwar fleißig gegen Nazis mobilisieren und immer schnell mit ihrem „Nazis raus aus Kassel!“ bei der Hand sind, dann aber nichts damit anfangen zu wissen, wenn es darum geht, die Ideologie der Nazis als das zu begreifen was sie ist, nämlich eine völkische und eine von der Volksgemeinschaft. Es ist eben eine die sich in den Reihen der Linken fortsetzt, wenn dort von den bösen Banken, vom Großkapital, von Spekulanten, von unterdrückten Völkern, von undurchsichtigen Handelsabkommen etc. die Rede ist, gegen die sich man als aufrechter Linker und als Fürsprecher des Volkes und anderer Völker (vornehmlich dem in einem „besetzten“ Gebiet) zu stellen habe.

Epilog

Und was war das mit der Wurst? Hat nicht jeder eine Heimat? „Was ist denn Deine Heimat?“, wurde ich, penetrant geduzt, von wutschnaubenden Besuchern des Deutschlandtags gefragt – „Hast wohl keine!“, „Bist Du Jude?“, „Bist Du Kommunist?“, „Wo bist Du denn geboren?“ u.ä. Klar habe ich eine – eine Heimat. „Heimat ist da wo die Wurst hängt!“ Aber das in Nordhessen zu sagen ist natürlich auch schon wieder grenzwertig. Dennoch, obwohl ich die nordhessische Ahle Wurscht sehr gerne esse, deswegen fühle ich mich diesem Landstrich nicht mehr verbunden als anderen wo ich mich gerne aufhalte und vielleicht sollte man in Nordhessen lieber sagen, meine Heimat ist da wo ich mein Leben leben kann, dort wo mein Kühlschrank brummt, oder ganz frei nach Gustav Heinemann: Da wo meine Liebste oder mein Liebster schläft, da ist meine Heimat – und das kann überall sein, dort nämlich wo man gerade ist und nicht dort wo man war. Unübertroffen ist allerdings Ernst Bloch. „Was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“

Überflüssig zu sagen, dass in der HNA natürlich permanent von Vertreibung ohne Anführungszeichen, von Ostpreußen, von Menschen, die im Krieg gelitten haben, von 300.000 Menschen, die auf der Flucht von Ostpreußen ums Leben kamen die Rede ist – dies alles ist ideologischer Plumperquatsch, den in Grund und Boden zu stampfen ein leichtes wäre – was nicht mein Anliegen war.

J.D.

Ein Gedanke zu “Tränen lügen nicht – oder wo hängt die Wurst?

  1. Mein Gott, welch unglaublich unwissender und liebloser Kommentar.
    Er ist vollständig schablonenhaft, reflexartig das böse Rechte suchend und völlig ahnungs- und herzlos Menschen gegenüber, die unglaublich viel Leid erlebt haben.

    Nein, es sind nicht alle Nazis und diese Vergeltungsmentalität Menschen gegenüber, von denen einige wirklich verblendet waren (das Wissen um die Monströsität des Hitler-Regimes war damals nicht vorhanden und die Menschen zum Grossteil weit weniger gebildet bzw. sensibilisiert) ist für mich abstossend.

    Ich bin politisch links, doch verabscheue ich einen solch herz- und menschlich ahnungslosen, dualistischen Umgang mit der Geschichte, welcher sogar zur Gewalttätigkeit Andersdenkenden und -fühlenden neigt.

    Nein, mit solch einem Links-Sein will ich nichts zu tun haben, weil es in meinen Augen menschlich unreif ist; man beachte auch die rachsüchtige Häme, die diesem Text zugrundeliegt. Sie macht traurig und ein Stück weit wütend. So. Trotzdem alles Gute; ich kann Euch aber nicht folgen bei Eurem Krieg gegen das „Böse“!

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