Vor 70 Jahren: D-Day

Ein entscheidender Schritt, Europa vom Nazifaschismus zu befreien

Now the Germans played on all their instruments, and I could not find any hole between the shells and bullets that blocked the last twenty-five yards to the beach. I just stayed behind my tank, repeating a little sentence from my Spanish Civil War days, „Es una cosa muy seria. Es una cosa muy seria.“*

Der so genannte D-Day gab Nazideutschland den Rest. Am 6. Juni 1944 landeten in einem gewagten und gewaltigen Unternehmen Truppen der West-Alliierten an der Normandie. Die ein paar Tage nach der Landung in der Normandie einsetzende Offensive der Roten Armee Bagration zerschlug im Osten die gewaltige Heeresgruppe Mitte und verhinderte, dass die Wehrmacht weitere Truppen freisetzten konnte um sie gegen die Westalliierten einzusetzen. Trotzdem dauerte es noch ein knappes Jahr, bis Deutschland die Waffen streckte. Verschiedentlich hält sich der Vorwurf, zu spät die zweite Front eröffnet zu haben, in unzulässiger Weise abgewartet zu haben, bis die Rote Armee der deutschen Wehrmacht das Rückgrat gebrochen hatte und in einigen Kreisen wird geraunt, dass nur die materielle Übermacht gegen einen schlecht bewaffneten Gegner den Sieg der Alliierten gesichert hätte.

Wahr ist, dass die Rote Armee bis zur Landung der West-Alliierten in Italien 1943 auf dem europäischen Festland fast auf sich alleine gestellt war und dass mit der Abwehr des Angriffs auf Moskau, der Schlacht in Stalingrad und dann in der am Kursker Bogen der Wehrmacht schwere und entscheidende Niederlagen beigebracht wurden, die mit einem äußerst hohen Blutzoll seitens der Rotarmisten erkauft wurden. Im Westen gab es nach der Niederlage in Frankreich zunächst keine Möglichkeiten der westlichen Alliierten mehr, der deutschen Wehrmacht auf dem Land Einhalt zu gebieten. Nach der Eroberung Frankreichs beherrschte Deutschland den westeuropäischen Kontinent. Lediglich aus der Luft und im Atlantik wurde ein konsequenter Kampf gegen Nazideutschland geführt.

My beautiful France lookes sordid and uninviting, and a German machine gun, spitting bullets around the barge, fully spoiled my return. The men from my barge waded in the water. Waist-deep, with rifles ready to shoot, with the invasion obstacles and the smoking beach in the background – this was good enough for photographer.

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GIs am 6. Juni 1944: Kein happy-day, aber ein guter Tag für Europa (Foto: R. Capa)

Der von Seiten der West-Alliierten geführte Krieg aus der Luft trug dazu bei, dass die deutsche Luftwaffe erheblich geschwächt wurde, so dass die sowjetische Luftwaffe an der Ostfront die Oberhand gewinnen konnte, was mit eine Voraussetzung für die erfolgreichen Operationen der Roten Armee gewesen war. Im Atlantik kämpften die West-Alliierten die deutsche U-Bootflotte nieder, um den Nachschub sowohl nach England als auch in die Sowjetunion zu sichern. In die Sowjetunion konnten so kriegswichtige Güter geliefert werden, die entgegen der häufig kolportieren Auffassung nicht nur Dosenfleisch enthielten, sondern für die Rote Armee durchaus brauchbares und nützliches Kriegsmaterial. Insbesondere die Lieferung Tausender Lastwagen schuf die Voraussetzung für eine erheblich gesteigerte Beweglichkeit der sowjetischen Truppen. Sowohl die Atlantik- als auch die Luftkriegsoperationen gegen Deutschland waren effektive Massnahmen und bedeuteten eine logistische Meisterleistung und waren für die West-Alliierten äußerst verlustreich.

Doch auch auf dem Landweg kämpften sich alliierte Truppen an den deutschen Herrschaftsbereich heran. 1942 landeten US-Truppen in Nordafrika um dort das deutsche Expeditionsheer endgültig zu vernichten, dass sich angeschickt hatte, über Ägypten nach Palästina und dann weiter über den Irak und den Iran zum damals besetzten Kaukasus vorzustoßen, daran aber von englischen Truppen gehindert wurde. 1943 landeten dann die Alliierten in Italien, was dazu beitrug, dass die Italiener Mussolini stürzten und Italien als erster Bündnispartner sich von Nazideutschland löste.

The tide was coming in and now the water reached the farewell letter to my family in my brest pocket. Behind the human cover of the last two guys, I reached the beach. I threw myself flat and my lips touched the earth of France. I had no desire to kiss it.

D-Day war kein happy-day

Der D-Day war kein happy-day. We would have to be unhappy in the water before we could be unhappy on the shore stellte der großartige Fotograf Robert Capa lakonisch fest. Capa, geboren 1913 als André Friedmann in Ungarn, schoss neben vielen weiteren (von denen aber nur elf erhalten blieben) das oben gezeigte Foto, als er als Journalist die US-Truppen am ersten Tag der Invasion begleitete.

The empty camera trembled in my hands. It was a new kind of fear shaking my body from toe to hair, and twisting my face. I unhooked my shovel and tried to dig a hole. The shovel hit stone under the sand and I hurles it away. The men around me lay motionless. Only the dead on the waterline rolled with the waves.

Mehrere tausend GIs, Kanadier, Engländer u.a. verloren an diesem Tag ihr Leben, Männer die vorher Bauern, Angestellte, Arbeiter usw. waren, die lieber bei ihren Frauen, Kindern, Geschwistern, Eltern oder Freunden geblieben wären, als sich dem deutschen Feuer auszusetzen, um Europa vom Nationalsozialismus zu befreien. Auch 20.000 Zivilisten kamen bei den Kämpfen der Alliierten gegen die Nazitruppen ums Leben.

Die Landung in der Normandie war Auftakt dafür, die deutsche Naziherrschaft in Frankreich zu beenden. Die Alliierten kämpften sich in Frankreich zu einem Zeitpunkt vor, als die letzte Phase der Vernichtung der Juden, das sogenannte „Erntefest“,  in Frankreich seitens der deutschen Besatzung umgesetzt werden sollte. Die bis dahin in der Judenvernichtung zögerliche und widerstrebende Haltung der Vichy-Behörden trug dazu bei, dass ein großer Teil der französischen Juden bis zu diesem Zeitpunkt nicht deportiert werden konnte, das sollte nun unter deutscher Federführung anders werden. Für viele Juden in Frankreich – vor allem Kinder – kamen die Alliierten trotzdem zu spät.

Deutscher Professionalismus und Dilettantismus

Doch anstatt Widerstand gegen Nazis, leisteten die Deutschen noch fast zwölf Monate lang professionellen Widerstand gegen die Truppen der Alliierten, schufen so die Voraussetzung, dass Auschwitz noch über 6 Monate weiter betrieben werden konnte und so die Vernichtung der letzten europäischen Juden in präziser Perfektion fortgeführt wurde, dass in den anderen Konzentrationslagern das Morden weiterging, dass der Volksgerichtshof die wenigen deutschen Widerstandskämpfer unter das Schafott schickte, dass die, die nicht mehr mitmachen wollten, an die Bäume geknüpft wurden und dass abertausende Soldaten der Alliierten und andere europäische Antifaschisten ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre jugendliche Unbeschwertheit verloren. Nicht der Rede Wert ist der dilettantische Versuch einen Monat nach der Landung – am 20. Juli 1944 – gegen Hitler zu putschen. Heute wird gerne an den 20. Juli erinnert und man versucht, sich mit den Gegnern von damals zu verbrüdern. Das was Deutschland am besten konnte, darüber wird vornehm geschwiegen.

The mess boys who had served our coffee in white jackets and with white gloves at three in the morning were covered with blood and were sewing the dead in white sacks. The sailors were hoisting stretchers from sinking barges alongside. I started taking pictures. Then things got confused … I woke up in a bunk. My naked body was covered with a rough blanket. On my neck, a piece of paper read: „Exhaustion case. No dog tags.“ … In the second bunk was another naked young man, his eyes staring at the ceiling. The tag around his neck said only: „Exhausting case.“ He said: „I am a coward.“ He was the only survivor from the ten amphibious tanks …

Zur politischen Einschätzung des D-Day sei auf die Seite der Freunde aus Stuttgart verwiesen: Danke, liebe Amis …

*kursiv: Zitate aus Robert Capa, Slightly Out of Focus, New York 2001 (zuerst erschienen 1947). Dort schildert er seine Eindrücke der Landung, an der er am 06.06. an der „Omaha-Beach“ beteiligt war.

Informationen über die Bedeutung und Voraussetzungen alliierter Kriegshandlungen findet man bei Richard Overy, Die Wurzeln des Sieges. Warum die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen, Hamburg 2002.

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