Volkstrauertag – Tränen für die Täter

Deutsche Täter sind keine Opfer. Diese Parole hat schon reichlich Patina angesetzt, muss – wie es scheint – aber trotzdem immer wieder bemüht werden.

Die Reservistenkameradschaft Kassel lädt zum Volkstrauertag am Kasseler „Ehrenmal“ an der Karlsaue ein. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), also durchaus eine offizielle Institution, hat diese Veranstaltung genehmigt. Es heißt, man wolle ein „Zeichen wider das Vergessen setzen. Wider das Vergessen der gefallenen Kameraden aber ganz besonders auch wider das Vergessen des Ehrenmals in Kassel.“

Die Reservistenkameradschaft ist ein Verband ehemaliger (und noch aktiver) Bundeswehrsoldaten. Das Erleben von Kameradschaft steht im Mittelpunkt dieser Gruppe, allein dieses männerbündische und das militaristische Erscheinungsbild ihrer neuen Homepage könnten schon Grund für eine kritische Intervention sein. Aber lassen wir das an dieser Stelle, diesem Thema können sich die dazu Berufenen widmen, sie hätten damit ein Betätigungsfeld, dass sie anstelle ihrer obsessiven Befassung mit Israel setzten könnten.

Dass die Reservistenkameradschaft den bei verschiedenen Einsätzen zu Tode gekommenen „Kameraden“ erinnern wollen ist legitim. Die Bundeswehr ist eine Institution eines demokratischen Staates. Die Entscheidung, sie einzusetzen erfolgt i.d.R. im Einklang mit dem internationalen und nationalen Recht und ist demokratisch legitimiert. Ob diese Einsätze sinnvoll sind oder nicht, kann und sollte politisch diskutiert und darüber kann auch gestritten werden, was ja auch geschieht.

Doch die Reservistenkameradschaft betont, auch das Ehrenmal soll nicht in Vergessenheit geraten. Gut wir wollen hier an dieser Stelle an dieses Ehrenmal erinnern:

Ehre dem Panzerkorps Grossdeutschland

Ehre dem Panzerkorps Grossdeutschland

Unter anderem steht dort auf den verschiedenen Tafeln:

20. Inf.Div. mot. nach ihrem Untergang im Kessel von Stalingrad neu aufgestellt 20. Pz.Gren.Div. Euch Kameraden, Euch … die ihr nicht heimkehrtet, Treue und Dank

Den für Deutschlands Ruhm und Ehre gefallenen Helden zum Gedächtnis 1914 – 1918 … Ich hatt einen Kameraden einen bessern findst du nicht.

Im Glauben an Deutschlands gerechte Sache, im festen Vertrauen
Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen. …

Den unbesiegten Toten der Eisenbahner-Kriegsteilnehmer 1914 – 1918 in Treue und festem Zukunftsglauben. Aus eurem Blut wird unsre Freiheit sprießen.

1939 IR GD 1942 PzGrenDiv GD 1944 Panzerkorps Großdeutschland
Es ward gespannt ein einig Band um alles deutsche Land. (?)

Wir haben es hier also mit einem Denkmal zu tun, dass im Duktus der Feinde der Weimarer Republik, der Gegner des Versailler Friedensvertrages und des deutschen Nationalchauvinismus an die im ersten Weltkrieg Gefallenen erinnert aber auch an die, die im Bunde der 6. Armee und des Panzerkorps Grossdeutschland dem deutschen Vernichtungsfuror den Weg ‚gen Osten freikämpften. Dies ist kein Widerspruch, denn diejenigen, die sich in den zwanziger Jahren dieser Sprache und dieser Parolen bedienten, bereiteten dem Nationalsozialismus den Weg.

Weil die Veranstaltung ausdrücklich am Ehrenmal stattfinden soll, ist klar, wer mit Kameraden gemeint ist, an die gedacht werden soll. Es sind nicht nur die Toten, die, seitdem die Bundeswehr eingesetzt wird, zu betrauern sind. Doch weil der Reservistenverband in das Deutschland des 21. Jahrhundert angekommen ist, weiß er natürlich auch, dass man auch an die erinnern soll, die als jüdische Deutsche für Kaiser und Vaterland gekämpft haben und gefallen sind. Dieses will der Verband auf dem jüdischen Friedhof in Bettenhausen tun. Auch an die, im Kriegsgefangenenlager in den Jahren 1914 – 1918 bei Kassel umgekommenen Kriegsgefangenen der Alliierten soll erinnert werden. Dort soll ausdrücklich „den Opfern aller Nationen der Weltkriege“ gedacht und „die Versöhnung über den Gräbern“ zelebriert werden. Sprich es soll auch an diejenigen, die als Wegbereiter und Vollstrecker des deutschen Vernichtungskrieges gefallen sind, gedacht werden. Der Gang auf den jüdischen Friedhof dient dabei offensichtlich der eigenen Exkulpation und ist nichts als eine Nebelkerze und üble Instrumentalisierung toter Juden. Natürlich soll „über den Gräbern“ die Hand zur Versöhnung ausstreckt werden. Perverser geht’s nicht.

Einen musikalischen Beitrag gibt es auch noch, es soll das Lied „Der gute Kamerad“ angestimmt werden. Dieses Lied stammt, wie sollte es anders sein, aus der Zeit der antifranzösischen „Befreiungskämpfe“. Einer Zeit also, in der der Grundstein des antiwestlichen, antisemitischen und nationalchauvinistischen deutschen Nationalismus gelegt wurde, der im deutschen Nationalsozialismus zu sich selbst fand. (Hierzu wird das Bündnis gegen Antisemitismus am 3. Dezember 2015 zu einer Aktion einladen.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.