Elsässer-Ähnlichkeitswettbewerb – Ein Herausgeber auf der Rutschbahn

Die Weltmächte hätten die Welt zu dem gemacht, was sie heute ist, der Westen habe den Schah inthronisiert, die Folge seien die Ajatollahs, die USA hätten die Mujaheddin bewaffnet und ausgebildet, die dann später das Attentat in New York verübten usw. So ein bekannter Herausgeber in konkret 12/2015.

An allem ist etwas dran, so dass die Assoziationsketten wie andere Verschwörungstheorien für den Unbedarften plausibel erscheinen. Sie reduzieren jedoch eine äußerst komplexe globale Situation auf zwei einfache Zusammenhänge: Erstens „der Westen“ ist selbst Schuld und zweitens, um die Worte des Herausgebers zu bemühen, je geringer die Aussicht auf ein besseres Leben, desto größer der Bedarf an immer härteren religiösen Drogen, sprich an Märtyrern. Dass es in den arabischen Ländern, in Afrika und in Asien Menschen mit eigenen Vorstellungen, Ideologien und Wahnvorstellungen sowie zuwiderlaufende Interessen unterschiedlichster gesellschaftlicher Akteure gibt, dass es dort gesellschaftliche Konflikte, Despotien und Gewaltverhältnisse eigenen Zuschnitts gibt, die eine eigene Geschichte und Tradition haben, wen schert es, wenn es nur einen Schuldigen zu geben braucht.

Bekanntlich herrschen im Iran, in Saudi Arabien und in Katar, den Hauptsponsoren und Protegés des islamistischen Terrors, ja nun nicht gerade bittere Not und Elend und man fragt sich, warum denn in Libyen, einem Land das in Öl schwimmt, sich die Menschen dort nicht ein Leben in Saus und Braus gönnen, was sie könnten, sondern sich gegenseitig und anderen Unbeteiligten nach dem Leben trachten oder warum hierzulande nicht die Hartz-IV-Empfänger sich freiwillig zum IS melden und in die Luft sprengen.

Doch unser Herausgeber geht noch weiter „Es war zu lesen, dass ‚die US-Strategie in Trümmern‘ liege. Aber wer weiß denn, ob der Nahe Osten in Trümmern nicht das eigentliche Ziel der US-Strategie war? Die Bescherung direkt vor seiner Haustür wirft Deutsch-Europa im Kalten Krieg mit den USA um die Weltherrschaft, …, mindestens ein Jahrzehnt zurück.“ Tja wer weiß es schon, man wird es ja trotzdem mal schreiben dürfen! Also alles Kalkül und eine Verschwörung sinistrer Mächte des Pentagon und der bad boys aus Washington. Eine Verschwörung der Ostküste, das sagt der Herausgeber (noch) nicht.

„… Pnom Penh: Wer weiß denn noch, dass die Stadt unter vietnamesischer Protektion eine der sichersten Großstädte der Welt war …, erst die Dollar-Flut, …, veränderte die Szenerie, stimulierte Schwarzhandel und Prostitution, vergröberte die Klassenunterschiede.“ Man braucht nur Pnom Penh mit Damaskus, vietnamesisch z.B. mit iranisch austauschen, die Dollar-Flut kann stehen bleiben, man könnte noch Drohnen u.ä. hinzufügen, an der Argumentationsstruktur hat sich wenig geändert. Der, der das 1993 schrieb, weiß heute, schreibt und sagt es, dass die Schuldigen und Verschwörer an der Ostküste sitzen. Der Autor, ein Mann namens Elsässer, schrieb diese Zeilen damals jedoch in konkret und geriet auf die schiefe Bahn.

Um von seiner Rutschpartie auf der abschüssigen Bahn abzulenken, redet der Herausgeber lieber gerne von anderen, die einmal in konkret geschrieben haben. In konkret 11/2015 ist nachzulesen, dass Thomas Osten-Sacken für eine mit hunderttausend Toten zu bezahlende Erfolgsgeschichte in Syrien werbe und für seine „Kolonialpolitik“ einmal vor 13 Jahren in konkret schreiben durfte. So etwas ist dem Herausgeber offensichtlich peinlich. Doch schon damals erkannte Osten-Sacken die Ursachen der vielen Konflikte in den gesellschaftlichen Strukturen und Verhältnissen der betreffenden Länder und kam ohne eine platte Schuldzuweisung an den Westen aus.

Die tatsächlich mehrere hunderttausend Tote kostende „Erfolgsgeschichte“ Syriens, ist nun gerade nicht ein Produkt der „Werbung“ des Osten-Sacken und seines vom Herausgeber bekrittelten Vereins Wadi, sondern Folge der in erster Linie vom Diktator in Damaskus zu verantwortenden Politik und seiner Protektion durch Moskau und Teheran, die – wenn es so weiter geht – auch dafür sorgen wird, dass demnächst vom Iran direkt gelenkte Truppen an einer weiteren Grenze zu Israel stehen. Das ist dann praktischer Antisemitismus, Elsässer schreibt nur eine Zeitung mit „theoretischen“ Abhandlungen voll, die heißt (heute noch) nicht konkret.

Ein Gedanke zu “Elsässer-Ähnlichkeitswettbewerb – Ein Herausgeber auf der Rutschbahn

  1. Vielen Dank für eine Pointierung der schon seit ein paar Jahren im Trüben schiffenden Zeitschrift „konkret“ und des immer lächerlicher werdenden H. G. Gremliza (siehe auch das vollkommen hirnverbrannte Dauerbashing des harmlosen Günter Wallraff)

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