Das freundliche Gesicht der DITIB oder die Kultur der Nebelwerfer

Am 19.01.2017 vermeldet die HNA in einer kleinen Notiz auf der Nachrichtenseite, dass gegen die DITIB wegen Spionage ermittelt wird. Die mutmaßliche Spionagetätigkeit steht mittlerweile im Vordergrund der Diskussion um die DITIB. Die Kritik, dass die DITIB ein reaktionäres Gesellschaftsbild und eine konservative Islaminterpretation propagiert, als auch Schwierigkeiten damit hat, über Lippenbekenntnis hinaus sich vom terroristischen Islam zu distanzieren, ist dagegen eher randständig. Auch dass die DITIB sich nicht gegen Antisemitismus stellt, sondern im Gegenteil anfällig dafür ist, selbst Antisemitismus zu propagieren, ist in der gesellschaftlichen Debatte kaum Thema. Letzteres stört insbesondere auch die Linke nicht, die gelegentlich auch gegen die DITIB agitiert. Der in Kassel von der Partei Die Linke aufgestellte OB-Kandidaten, beschränkt sich eher darauf, die politischen Verhältnisse in der Türkei als vom Westen manipulierte zu kritisieren, wobei sein Augenmerk der Gülen-Bewegung gilt, die als CIA-Projekt gegeisselt oder gleich als Verschwörung des Westens angesehen wird. Cakir bläst mit dieser Argumentation letztendlich in das gleiche Horn, wie der von ihm ebenfalls hin und wieder kritisierte Erdogan. Was die Claqueure Erdogans in Kassel so treiben, interessieren ihn und die Partei hingegen weniger.

Überregional versucht sich, die aus anderen Zusammenhängen einschlägig bekannte Linksparteipolitikerin Sevim Dagdelen als DITIB-Kritikerin. Bei beiden dürfte als Motiv die eigene Verortung im Konflikt zwischen kurdischen Organisationen und der türkischen Regierung im Vordergrund stehen. Für diese Interpretation spricht, dass zwar gelegentlich die DITIB Gegenstand der Kritik der Linkspartei ist, jedoch nicht die zahllosen islamischen Vereine, geschweige denn der Islam – von letzterem will die Linke nichts wissen.

Screenshot HNA, 19.01.2017, "Auf eine Tasse Kaffee

Screenshot HNA, 19.01.2017, „Auf eine Tasse Kaffee

Aber die Sache mit der DITIB scheint auch nicht bis in die Niederungen der Lokalberichterstattung angekommen zu sein. Am selben Tag, an dem die HNA über die Spionagetätigkeiten der DITIB berichtet, trinkt die Lokalredaktion eine Tasse Kaffee mit einem gewissen Mahmut Eryilmaz. Mahmut Eryilmaz ist Mitglied im Vorstand der Mevlana-Moschee in Kassel, dies ist eine Moschee der DITIB. Mit Mahmut Eryilmaz will, wie es scheint, die HNA ein freundliches Gesicht der DITIB präsentieren. Brav plädiert er für Dialog und Vermittlung zwischen Religionen und verortet sich gar als Sozialdemokrat. Nun, auch die Sozialdemokratie ist nicht bekannt dafür, in Sachen Kritik des Islam Avantgarde zu sein.

Was die Lokalredakteure nicht tun, ist, ein paar kritische Fragen zu stellen, eben das zu tun, was ihre Aufgabe wäre. Herr Eryilmaz, was verstehen Sie unter Antisemitismus? Was tragen Sie dazu bei, dem Antisemitismus in Ihren eigenen Reihen entgegen zu treten?  Und was halten Sie vom jüngst in Kassel getätigten Aufruf des DITIB-Imams, den Märtyrer-Tod zu sterben und den politischen Gegnern Erdogans, die Vernichtung zu wünschen?

Diese Fragen fallen den Journalisten nicht ein, sie notieren lediglich, dass Eryilmaz darunter leidet, ständig auf seine türkische Nationalität angesprochen zu werden und unter „Generalverdacht zu stehen“. Er und seine Leidensgenossen wüssten nicht einmal, „wie viel ein Brot in der Türkei kostet.“ Der Brotpreis ist sicher eine relevante soziale Frage – nicht nur in der Türkei dürften allerdings andere Fragen brennender sein. Diese Fragen so scheint es, gehören aber nicht zum Programm der „Kultur des Dialoges“. Und es überrascht daher auch nicht, Eryilmaz ist Mitglied des Kasseler „Rat der Religionen“.

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