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Dies ist die persönliche Seite von:

Jonas Dörge, 34127 Kassel
email an: schwerersand(at)gmx.de

Die Themen und Texte dieses Blogs spiegeln die inhaltlichen Interessen und Auseinandersetzungen des Autors wider, die er in seinem Geiste mit sich selbst und mit seinen Freundinnen und Freunden führt. Sie stellen in ihrer Widersprüchlichkeit daher auch einen Entwicklung politischer Ansichten dar. Es sind Auseinandersetzungen mit den Abgründen, die sich in der menschlichen Geschichte, vor allem aber in der Moderne auftaten und auftun, mit den politischen Zumutungen aus der Region und darüber hinaus, die einem täglich den Verstand rauben. Die Texte sind Invektiven gegen die bloßen Meinungen und reinen Ansichtssachen der sich täglich in allen möglichen Medien und Zusammenhängen und im alltäglichen Leben äußernden Düffel-Doffel aber auch gegen die, die sich weigern die Katastrophen menschlicher Geschichte – und die Katastrophe schlechthin, nämlich Auschwitz – überhaupt nur zu reflektieren.

Dabei stellt sich ein Problem dar, das einmal von der Initiative Sozialistisches Forum (ISF) so beschrieben wurde: „Die Menschen haben irgendetwas im Kopf – aber was es sein mag: die Marxsche Kritik des Kapitals und die Entfremdung oder der wüsteste Irrationalismus, darüber entscheidet nicht das Denken der Menschen, sondern der bloße Zufall ihrer Psychologie und Biographie.“ Und weil ich es entgegen der Diagnose trotzdem nicht nur mit dem Denken sondern es auch mit dem Kommunismus halte, noch eine biographische Erläuterung, die hoffentlich anzeigt, dass das, was sich in meinem Nachdenken über Geschichte und Gegenwart darstellt, nicht nur Zufall ist:

Schwerer Sand“ ist der Titel eines Romans des sowjetischen Autors Anatoli Rybakow, der durch seine Romane über den Terror in der Stalinzeit (vor allem “Die Kinder vom Arbat”) im Westen bekannt wurde. Weniger bekannt war (und ist) sein Roman „Schwerer Sand“, der das Schicksal einer in der Ukraine lebenden jüdischen Familie aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beschreibt. Das Buch ist insofern einzigartig, weil es sich den in der Sowjetunion eher beschwiegenen Themen des (auch) in der Sowjetunion existierenden alltäglichen und institutionellen Antisemitismus, des sich als Feindbild auserkorenen Kosmopolitismus’ in positiver Weise, der Ermordung und Verfolgung der Juden durch die Nazis, des jüdischen Widerstands und des stalinistischen Terrors in epischer Breite widmet. Eine Themenkomposition, die mich seit meiner politischen Sozialisation in den frühen Achtzigern umtreibt.

Schwerer Sand assoziiert aber auch die Schwere dieses Elements, indem ein Fortkommen beschwerlich ist. In meinen jungen Jahren verschrieb ich mich dem historischen Optimismus und war überzeugt, dass die Menschheit unaufhaltsam dem Fortschritt entgegen schreitet. Damit verbunden war die Blindheit gegenüber dem, was in Auschwitz geschah und was dies zu bedeuten hat. Wie viele andere, die ähnlich dachten, war es zwar nicht so, dass mir die Judenverfolgung und –ausrottung durch die Deutschen eine große Unbekannte war, diese von mir gar relativiert oder in Abrede gestellt wurde, doch was Auschwitz aber für ein Geschichts- und Politikverständnis zu bedeuten hat, das an den unaufhörlichen Fortschritt der Menschheit glaubt, darüber war ich mir in den vielen Jahren politischen Agierens nicht bewusst. Erst die – zunächst heftige Abwehr hervorrufende – Lektüre der Texte Wolfgang Pohrts trug dazu bei, alte Gewissheiten über Bord zu werfen und mich der Erkenntnis zu widmen, dass die Situation der Geworfenheit, Einsamkeit und das Ausgeliefertsein des Einzelnen, der eines Individuums im Treibsand gleichkommt und dass nicht nur jeder Fortschritt im Kapitalismus einer mehr in den Abgrund hinein darstellt, sondern alle Fort-Schritte der bisher existierenden Formen von Vergesellschaftung.

Weil ich aber nicht wie Andere alles über Bord zu werfen und zu verleugnen die Absicht habe, wovon ich früher überzeugt war, aber auch dem Satz zustimme, dass nur wer sich ändert, sich treu bleibt und weil ich eine abgrundtiefe Abscheu gegen den Antisemitismus hege, will ich mit dem Titel des Blogs der Ambivalenz meines Denkens Ausdruck verleihen und dem Autor des gleichnamigen Romans, der 1919 geboren wurde und 1989 verstarb, eine Reminiszenz erweisen, ohne mir anmaßen zu wollen, dessen schriftstellerischer Qualität das Wasser zu reichen.

Und wie sieht die Sache mit dem Kommunismus aus, nachdem der letzte Augenblick der Notwendigkeit einer proletarischen Revolution 1942, angesichts der Wannseekonferenz, verpasst wurde und statt dessen in Auschwitz die deutsche Revolution exerziert wurde? Nochmal das ISF: „Die Aktualität des Kommunismus ist paradox. Die Notwendigkeit der Revolution befindet sich im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihrer Möglichkeit. …  Der Kommunismus, daran gehindert, von der theoretischen in die praktische Kritik von Kapital uns Staat umzuschlagen und die Waffe der Kritik in die Kritik der Waffen zu vertauschen, findet seine unfreiwillige Praxis in der Denunziation des Falschen.“

Die beiden Zitate sind in diesem Buch zu finden: Initiative Sozialistisches Forum (ISF), Das Ende des Sozialismus, die Zukunft der Revolution. Analysen und Polemiken, Freiburg 1990.

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